Im Folgenden veröffentlichen wir zunächst das Anschreiben selbst. Danach die Antworten, die wir bekommen haben.
Angeschrieben wurden:
- CDU, Bündnis90-Die Grünen, SPD, FPD (UWG), Linke, Volt
Anschreiben:
Sehr geehrte Damen und Herren,
im September 2026 sind Kommunalwahlen in Niedersachsen. Uns als Initiative „FMO-Ausstieg jetzt!“, den uns unterstützenden Umweltgruppen und den vielen Menschen, die sich mit ihrer Unterschrift für eine Schließung und Transformation des Flughafens Münster-Osnabrück eingesetzt haben, ist die Haltung Ihres Kreis- bzw. Stadtverbands zum FMO für die Wahlentscheidung wichtig.
Wir möchten Sie deshalb bitten, uns vier Fragen zu beantworten. Dabei möchten wir darauf hinweisen, dass die Flughafen Münster-Osnabrück GmbH bisher schon weit über 120 Millionen Euro an Steuergeldern verschlungen hat und aktuell ihr Schuldenstand allein bei den Anteilseigner-Kommunen mehr als 35 Millionen Euro beträgt. Ende letzten Jahres wurden weitere Kredite über 17,5 Millionen Euro von den Anteilseigner-Kommunen für die nächsten Jahre bewilligt. Wir sind überzeugt: Würde man das Flughafengelände in einen Erneuerbare-Energie-Park umwandeln, könnte man den Schuldenberg schnell abtragen, die Substanz erhalten und eine sinnvolle zukunftsfähige Alternative schaffen.
Unsere Fragen:
1. Wie stehen Sie in der Zukunft zu einer weiteren finanziellen Unterstützung des FMO durch die Kommune?
2. Wie stehen Sie zu der Idee, den FMO zu transformieren und auf dem Gelände unter Nutzung der bestehenden Infrastruktur einen Erneuerbare-Energie-Park zu errichten?
3. Wie steht Ihre Partei zur Erreichung der Klimaziele in Deutschland und global und speziell hier zur Zukunft des Flugverkehrs?
4. Würden Sie sich dafür einsetzen wollen, Gelder aus dem bundespolitisch beschlossenen „Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität“ für ein klimaverträgliches Alternativprojekt auf dem Flughafengelände auszugeben?
Antworten:
(Bei inhaltlich gleichen Antworten aus den Stadt und Kreistagsfraktionen ist lediglich eine Variante aufgeführt)
a) CDU (Stadt Osnabrück)
… vielen Dank für Ihr Schreiben. Gerne nehmen wir zu den von Ihnen aufgeworfenen Fragen zur Zukunft des Flughafens Münster/Osnabrück Stellung:
1. Wie stehen Sie in der Zukunft zu einer weiteren finanziellen Unterstützung des FMO durch die Kommune?
Der FMO ist ein wichtiger Baustein für die Infrastruktur in der Region. Viele Standortentscheidungen für Wirtschaft und Institutionen wurden durch den FMO positiv beeinflusst. Der Flughafen konnte zudem stark an seine Wirtschaftlichkeit arbeiten. Gleichzeitig ist Verkehrsinfrastruktur öffentliche Aufgabe und erfordert deshalb auch öffentliche Mittel. Die CDU Fraktion steht zum Flughafen, auch wenn er finanzieller Unterstützung bedarf. Die konkreten Bedarfe sind dann Einzelfallentscheidungen, die wir prüfen.
2. Wie stehen Sie zu der Idee, den FMO zu transformieren und auf dem Gelände unter Nutzung der bestehenden Infrastruktur einen Erneuerbare-Energie-Park zu errichten?
Für erneuerbare Energien sind wir seitens der CDU-Fraktion sehr offen. Technologie und Fortschritt verdienen immer den Vorzug vor Ideologie. Den Bestand des Flughafens stellen wir allerdings nicht in Frage. Sofern eine Vereinbarkeit von Flughafenbetrieb und der Nutzung erneuerbarer Energien möglich ist, erscheint dies als interessanter Weg.
3. Wie steht Ihre Partei zur Erreichung der Klimaziele in Deutschland und global und speziell hier zur Zukunft des Flugverkehrs?
Die CDU-Fraktion unterstützt die Erreichung der Klimaziele. Wirtschaft und Infrastruktur dürfen daran aber auch nicht kaputt gehen. Wir sind überzeugt, dass ein guter Weg, der Ökologie und Ökonomie vereint, gefunden werden kann. Besonders begrüßenswert wären schnellere Fortschritte für Antriebstechnologien. Die Nutzung von Flugzeugen sollte aus unserer Sicht auch in Zukunft grundsätzlich möglich bleiben.
4. Würden Sie sich dafür einsetzen wollen, Gelder aus dem bundespolitisch beschlossenen „Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität“ für ein klimaverträgliches Alternativprojekt auf dem Flughafengelände auszugeben?
Wir unterstützen den Fortbestand des FMO. Insofern bedarf es aus unserer Sicht keiner Alternative. Sofern Mittel genutzt werden könnten, um den Flughafen fortzuentwickeln, man erneuerbare Energien stärker nutzen könnte oder ähnliche sinnvolle Maßnahmen möglich wären, die den FMO stärken und gleichzeitig die Klimaneutralität voran bringen, würden wir dies unterstützen.
Wir hoffen, Ihnen mit diesen Ausführungen unsere Position nachvollziehbar dargelegt zu haben.
b) Bündnis 90/Die Grünen(Stadt Osnabrück)
… vielen Dank für Ihre Anfrage. Das Thema FMO betrifft den Schutz unseres Klimas ebenso wie den verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN haben den FMO stets kritisch begleitet und Ausbaupläne sowie dauerhafte Subventionen abgelehnt. Gerne beantworten wir Ihre Fragen:
1. Wie stehen Sie in der Zukunft zu einer weiteren finanziellen Unterstützung des FMO durch die Kommune?
Eine Bezuschussung des laufenden Betriebs und weitere Kapitaleinlagen zur Verlustabdeckung lehnen wir ab. Kommunale Gelder werden dringend für Energiewende, ÖPNV, Schulen und Soziales benötigt. Das 2022 auf grüne Initiative beauftragte wissenschaftliche Gutachten belegt klar: Das bisherige Geschäftsmodell ist ökonomisch wie ökologisch nicht tragfähig und eine Fortführung der Subventionen rechtlich und finanziell unzulässig. Unsere Priorität gilt der Beendigung der dauerhaften Verlustabdeckung.
2. Wie stehen Sie zu der Idee, den FMO zu transformieren und auf dem Gelände unter Nutzung der bestehenden Infrastruktur einen Erneuerbare-Energie-Park zu errichten?
Die schrittweise Transformation hin zu einer klimafreundlichen Nutzung ist der richtige Weg. Das Gutachten liefert dafür die Basis. Das Gelände bietet riesiges Potenzial: Photovoltaik auf Freiflächen, Erzeugung und Speicherung von grünem Wasserstoff sowie die Entwicklung eines nachhaltigen Gewerbeparks. Diesen Prozess wollen wir gemeinsam mit den Gesellschafter-Kommunen und der Region aktiv gestalten.
3. Wie steht Ihre Partei zur Erreichung der Klimaziele in Deutschland und global und speziell hier zur Zukunft des Flugverkehrs?
Die Einhaltung der Pariser Klimaziele hat für uns oberste Priorität. Flugverkehr ist die mit Abstand CO₂-intensivste Fortbewegungsart; ein darauf aufgebautes Geschäftsmodell ist nicht zukunftsfähig. Rein bilanzielle CO₂-Einsparungen des FMO reichen keinesfalls aus. Da nachhaltige Treibstoffe auf absehbare Zeit nicht ausreichend verfügbar sind, müssen Kurzstrecken- und Inlandsflüge aus Klimaschutzgründen konsequent eingestellt werden.
4. Würden Sie sich dafür einsetzen wollen, Gelder aus dem bundespolitisch beschlossenen „Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität“ für ein klimavertragliches Alternativprojekt auf dem Flughafengelände auszugeben?
Ja, absolut. Fördergelder müssen gezielt dort eingesetzt werden, wo sie die Klimaneutralität beschleunigen und zukunftsfähige Arbeitsplätze schaffen. Ein Transformationsprojekt auf dem FMO-Gelände – als Vorzeigeregion für Erneuerbare Energien – erfüllt diese Kriterien ideal. Wir machen uns dafür stark, öffentliche Gelder in die klimagerechte Zukunft unserer Region statt in veraltete Strukturen zu investieren.
c) SPD (Stadt Osnabrück
… haben Sie uns als SPD-Stadtratsfraktion im Namen der Initiative „FMO-Ausstieg jetzt“ vier Fragen gestellt, die ich Ihnen als FMO-Aufsichtsratsmitglied, …, gerne im Namen der SPD-Stadtratsfraktion beantworten möchte.
Ich bin jetzt seit 2011 Mitglied im Aufsichtsrat des FMO und habe inzwischen so etwas wie einen historischen Überblick über die Situation des Flughafens. Lassen Sie mich, bevor ich auf Ihre vier Fragen konkreter eingehe, zunächst ein paar allgemeine Vorbemerkungen machen: Aus dem Namen Ihrer Initiative ersehe ich, dass Sie sich eine Schließung des FMO wünschen. Diese Diskussion um eine Flughafenschließung ist nicht neu und flackert in aller Regelmäßigkeit immer wieder neu auf. Um es vorwegzunehmen: Die SPD-Stadtratsfraktion steht zum Flughafen FMO. Wir halten eine Schließung aus strukturpolitischen, wirtschaftspolitischen, aber auch aus umweltpolitischen Gründen für verfehlt.
…
Nun zu Ihren konkreten Fragen:
1. Wie stehen Sie in der Zukunft zu einer weiteren finanziellen Unterstützung des FMO durch die Kommune?
Dazu muss man wissen, worin die finanzielle Unterstützung des FMO eigentlich besteht. Da gibt es zwei Faktoren. Zum einen geben die beteiligten Kommunen zur Unterstützung der Liquidität des FMO sog. Gesellschafterdarlehn. Diese Gesellschafterdarlehn werden marktüblich verzinst und führen auf Seiten der Kommunen zu positiven Zinserträgen. Zum anderen werden diese Gesellschafterdarlehen nach einem vertraglichen Tilgungsplan auch wieder vom FMO an die Gesellschafter zurückgezahlt. Diese Handhabe ist gesellschaftsrechtlich völlig üblich und wir unterstützen das. Außerdem haben die Kommunen in der Vergangenheit im Rahmen einer langfristigen Entschuldungsstrategie nach einem festen Finanzierungsplan (Finanzierungskonzept 1), der von den kommunalen Räten und dem Aufsichtsrat beschlossen worden ist, regelmäßig Eigenkapital dem FMO zugeführt. Hintergrund ist, dass der FMO aufgrund einer aus heutiger Sicht völlig überzogenen Planung ein viel zu großes Terminal gebaut und sich dafür mit rd. 100 Mio. Euro verschuldet hat. In diese Zeit fiel auch die Überlegung einer Startbahnverlängerung, von der wir uns aber schon vor Jahren verabschiedet und die Grundstücke entsprechend abgeschrieben haben.
Die Entschuldungsstrategie sah vor, diese 100 Mio. Euro Altschulden aus dem Terminalbau und den erworbenen Grundstücken für die damals geplante Startbahnverlängerung in einem mehrjährigen Programm über 15 Jahre auf 0 zu führen, den FMO damit zu entschulden und erhebliche Zinsaufwendungen einzusparen. Dieses Entschuldungsprogramm läuft jetzt seit einigen Jahren mit Erfolg. Die Schulden wurden planmäßig von ursprünglich rd. 100 Mio. Euro auf zurzeit (Ende 2026) noch etwa 5,9 Mio. Euro zurückgeführt, wodurch die Zinsaufwendungen kontinuierlich geringer wurden. Diesen einmal eingeschlagenen Weg wollen wir zu Ende führen, damit der FMO alsbald schuldenfrei und betriebswirtschaftlich besser aufgestellt ist.
Seit 2021 erhält der FMO nur noch Gesellschafterdarlehen, die der FMO verzinst zurückzahlt. Von 2021 bis 2025 betrug das Darlehen 7 Mio. Euro / Jahr, seit 2026 3,5 Mio. Euro. Aktuell erhält der FMO ein jährliches Darlehen in Höhe von 3,5 Mio. Euro, der Anteil der Stadt Osnabrück beträgt davon ca. 600.000 Euro. Gleichzeitig zahlt der FMO in diesem Jahr aber 4,2 Mio. Euro an seine Gesellschafter zurück, so dass es sogar einen positiven Cashflow von 700.000 Euro zugunsten der Gesellschafter gibt.
Wir tragen den Beschluss zur Entschuldung bzw. Darlehensgewährung weiter mit und deshalb beantworte ich ihre Frage nach finanzieller Unterstützung positiv. Ja, wir befürworten diese Zuführungen seitens der Stadt um dem FMO eine gesicherte Zukunftsperspektive zu geben.
2. Wie stehen Sie zu der Idee, den FMO zu transformieren und auf dem Gelände unter Nutzung der bestehenden Infrastruktur einen Erneuerbare Energie Park zu errichten?
Falls Sie damit den Beschluss meinen, den Betrieb des FMO bis 2030 klimaneutral zu gestalten und u. a. die größte PV Anlage Nordrhein-Westfalens auf dem Betriebsgelände des FMO zu errichten, dann kann ich nur sagen, wir unterstützen dieses Vorhaben als SPD-Fraktion vorbehaltlos und halten diese Planungen für absolut richtig und zielführend.
3. Wie steht Ihre Partei zur Erreichung der Klimaziele in Deutschland und global unds peziell hier für die Zukunft des Flugverkehrs?
Dazu verweise ich auf meinen grundsätzlichen Ausführungen zu Beginn und die Beantwortung der Frage 2). Generell sind wir der Überzeugung, dass es in einer globalisierten Welt immer Flugverkehr geben wird und auch muss. Überlegungen den Flugverkehr weniger mit fossilen Brennstoffen zu betreiben und auch im Flugverkehr elektrisch betriebene Solar-Flugzeuge einzusetzen, unterstützen wir in jeder Hinsicht, nur leider ist die technologische Entwicklung in dieser Hinsicht noch nicht weit genug fortgeschritten.
4. Würden Sie sich dafür einsetzen wollen, Gelder aus dem bundespolitisch beschlossenen „Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität“ für ein klimaverträgliches Alternativprojekt auf dem Flughafengelände auszugeben?
Grds. ja. Das hängt natürlich im Kern davon ab, was für ein Alternativprojekt das ist. Aber so- weit es dazu beiträgt, klimaneutral beim Betrieb des FMO zu werden, wenn es nennenswerte CO2 Einsparungen bringt und unseren Klimazielen dient, dann selbstverständlich: ja. Ein solches Projekt müsste uns vorgestellt und geprüft werden, ob die klimapolitischen Ziele damit erreicht werden können.
d) FDP (Stadt Osnabrück-Land)
Antwort auf die Anfrage der Initiative „FMO-Ausstieg jetzt!“
1. Wie stehen Sie in der Zukunft zu einer weiteren finanziellen Unterstützung des FMO durch die Kommune?
Wir unterstützen den Konsolidierungskurs des FMO, der sich mit steigenden Fluggastzahlen und den ersten Gewinnjahren seit 2011 (2023 und 2024) bereits belegen lässt. So wurden zuletzt im Jahr 2025 1,25 Mio. Fluggäste (+26 % gegenüber dem letzten Vor-Corona-Jahr 2019) und eine Rekord-Sitzplatzauslastung von 83 % verzeichnet. Dieser Kurs wird auch unter dem neuen Geschäftsführer Andrés Heinemann fortgesetzt, der als langjähriger Marketingchef maßgeblich am bisherigen Erfolg beteiligt war. Die damit verbundene Wirtschaftlichkeit des Standorts muss perspektivisch dazu führen, dass der Flughafen ohne weitere finanzielle Unterstützung der Kommunen auskommt. Als Gesellschafterin mit einem Anteil von 17 % bleibt die Stadt Osnabrück in der Verantwortung, diesen Weg konstruktiv zu begleiten.
2. Wie stehen Sie zu der Idee, den FMO zu transformieren und auf dem Gelände unter Nutzung der bestehenden Infrastruktur einen Erneuerbare-Energie-Park zu errichten?
Wir möchten die bestehende Infrastruktur des Flughafengeländes auch weiterhin für einen Flughafen nutzen. Anders als früher, als der FMO sich durch ein klares Managementversagen einseitig von einem einzigen Anbieter wie Air Berlin abhängig gemacht hatte, ist das Angebot heute deutlich breiter über verschiedene Fluggesellschaften verteilt. Dieser Kurs macht den Standort widerstandsfähiger, weshalb wir ihn für richtig halten.
3. Wie steht Ihre Partei zur Erreichung der Klimaziele in Deutschland und global und speziell hier zur Zukunft des Flugverkehrs?
Wir Freien Demokraten wollen die europäischen Klimaziele sicher und möglichst kostengünstig erreichen. Dazu setzen wir auf einen einheitlichen europäischen Emissionshandel. Für die Zukunft des Flugverkehrs ist aus unserer Sicht die Marktreife alternativer Kraftstoffe (SAF) entscheidender als die Schließung von Regionalflughäfen wie dem FMO.
4. Würden Sie sich dafür einsetzen wollen, Gelder aus dem bundespolitisch beschlossenen Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität“ für ein klimaverträgliches Alternativprojekt auf dem Flughafengelände auszugeben?
Nein.
e) Volt (Stadt Osnabrück)
… vielen Dank für Ihre Anfrage. Im Anhang finden Sie unsere Antwort auf Ihre Fragen. Diese sind in enger Zusammenarbeit mit Volt Münster entstanden.
1. Wie stehen Sie in der Zukunft zu einer weiteren finanziellen Unterstützung des FMO durch die Kommune?
Die weitere finanzielle Unterstützung des Flughafens Münster/Osnabrück (FMO) durch kommunale Mittel lehnt Volt Osnabrück ab. Diese Haltung gründet sich auf drei zentrale Überlegungen: rechtliche Rahmenbedingungen, haushaltspolitische Verantwortung und die Notwendigkeit einer innovationsorientierten Transformation.
Erstens ist eine dauerhafte öffentliche Verlustdeckung ab dem Jahr 2027 rechtlich unzulässig. Gemäß den EU-Leitlinien für staatliche Beihilfen an Flughäfen und Fluggesellschaften (2014/C 99/03) endet die beihilferechtliche Sonderregelung für Regionalflughäfen in diesem Jahr. Subventionen über diesen Zeitpunkt hinaus könnten zu Rückforderungsanspruchen und empfindlichen Sanktionen durch die EU-Kommission führen. Kommunale Haushalte würden damit einem erheblichen Risiko ausgesetzt.
Zweitens erscheint die bisherige Praxis, Defizite regelmäßig durch neue Kredite aufzufangen, weder wirtschaftlich tragfähig noch politisch verantwortbar. Eine Weiterförderung ohne klar definierte Zielstruktur verlängert lediglich die bestehende Schieflage.
Drittens bedarf es stattdessen einer strategischen Neuausrichtung, die ökologische, wirtschaftliche und soziale Kriterien systematisch integriert. Grundlage dafür kann die aktuelle Machbarkeitsstudie sein, die etwa empfiehlt, den Flugbetrieb auf ein Terminal zu konzentrieren und den nächtlichen Flugbetrieb auszusetzen. Diese Maßnahmen erhöhen sowohl die Kosteneffizienz als auch die Umweltverträglichkeit des Betriebs.
Eine vollständige Abwicklung des FMO greift aus unserer Sicht jedoch zu kurz. Neben der zivilen Luftfahrt erfüllt der Flughafen wichtige Funktionen im Bereich des Katastrophenschutzes, medizinischer Evakuierungen und Organtransporte. Diese Infrastrukturen müssen bei jedem Transformationsszenario erhalten bleiben und als Teil einer Transformationsdebatte bedacht werden. Volt Osnabrück setzt sich daher für ein kontrolliertes, zielgebundenes Zukunftskonzept ein. Dieses sollte Innovationspotenziale, z. B. im Bereich nachhaltiger Luftfahrttechnologien oder europäischer Forschung, nutzen, klare ökologische Leitplanken einziehen, haushaltspolitisch verantwortbar bleiben und ein Exit-Szenario beinhalten, falls sich der Standort nicht tragfähig transformieren lässt.
2. Wie stehen Sie zu der Idee, den FMO zu transformieren und auf dem Gelände unter Nutzung der bestehenden Infrastruktur einen Erneuerbare-Energie-Park zu errichten?
Die Idee, den Flughafen Münster/Osnabrück langfristig in einen Erneuerbare-Energien-Park zu transformieren, ist aus klimapolitischer Sicht konstruktiv und verdient eine ernsthafte Prüfung. Sollte sich der Flugbetrieb wirtschaftlich, rechtlich oder ökologisch als nicht tragfähig erweisen, wäre eine aktive Umnutzung im Sinne der regionalen Energie- und Innovationswende ein zukunftsgerichteter Schritt.
Gleichzeitig sehen wir gegenwärtig Potenzial für eine schrittweise Re-Positionierung des Standorts als europäischer Innovationsknoten – insbesondere im Bereich nachhaltiger Luftfahrt, CO2-neutraler Mobilität, unbemannter Logistik und energieeffizienter Infrastrukturen. Eine vollständige Stilllegung zum jetzigen Zeitpunkt würde diese Chancen vorschnell aufgeben.
Volt Osnabrück plädiert daher für ein hybrides Transformationsmodell, das technologische und klimapolitische Innovationsräume eröffnet, ohne funktionierende Infrastrukturen voreilig abzubauen. Denkbar ist ein Szenario, in dem der klassische Linienflugbetrieb perspektivisch zurückgefahren wird, während Teile des Areals in ein integriertes Energie- und Technologiecluster überführt werden. Solche gemischten Nachnutzungskonzepte werden in anderen europäischen Regionen bereits erfolgreich erprobt.
3. Wie steht Ihre Partei zur Erreichung der Klimaziele in Deutschland und global und speziell hier zur Zukunft des Flugverkehrs?
Volt Osnabrück bekennt sich klar und verbindlich zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens und der Begrenzung der globalen Erderwärmung auf maximal 1,5°C. Als einzige pan-europäische Partei fordert Volt dafür einen effektiven, sektorenübergreifenden Klimaschutzrahmen auf europäischer Ebene – mit einer fairen CO2-Bepreisung, der Dekarbonisierung aller Wirtschaftszweige und einer strategischen Verlagerung des Verkehrs auf nachhaltigere Alternativen.
Im Bereich des Flugverkehrs verfolgt Volt eine differenzierte, technologieoffene Linie. Kurzstreckenflüge innerhalb Deutschlands sollten durch den Ausbau leistungsfähiger Bahnverbindungen möglichst schnell überflüssig werden. Für den europäischen Binnenverkehr setzt Volt auf interoperable, grenzüberschreitende Bahnnetze und die Renaissance der Nachtzüge. Diese Verlagerung ist aus ökologischer und sozialer Sicht vordringlich.
Gleichzeitig erkennen wir an, dass der Flugverkehr mittelfristig nicht vollständig vermeidbar ist – etwa für medizinische Evakuierungen, wissenschaftlichen Austausch oder wirtschaftlich notwendige internationale Mobilität. Daher setzt Volt auf Innovation statt Rückbau: Investitionen in synthetische Kraftstoffe, elektrische Antriebe, verbesserte Auslastung und klimafreundliche Infrastrukturen wollen wir gezielt fördern.
Unsere Programmatik lehnt symbolpolitische Maßnahmen ohne nachweisbare Wirkung ab und orientiert sich stattdessen an systemischen Lösungen mit realem Effekt: Europa braucht eine Luftverkehrspolitik, die Reduktion, Substitution und Transformation integriert. Der Maßstab dabei ist nicht der Status quo, sondern das klimapolitisch Notwendige, das auch technologische Machbarkeit, soziale Gerechtigkeit und europäische Handlungsfähigkeit im Blick behält.
4. Würden Sie sich dafür einsetzen wollen, Gelder aus dem bundespolitisch beschlossenen “Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität” für ein klimaverträgliches Alternativprojekt auf dem Flughafengelände auszugeben?
Ja – aus Volt-Perspektive ist es zwingend erforderlich, dass sich die Region frühzeitig und aktiv um Mittel aus dem bundespolitisch beschlossenen Infrastrukturfonds bemüht, um alternative und klimaverträgliche Nutzungskonzepte für das Gelände des FMO zu entwickeln.
Insbesondere bietet sich Potenzial für die energetische Nutzung bislang ungenutzter Teilflächen; die Anbindung des Standorts an den öffentlichen Nah- und Regionalverkehr; europäisch eingebundene Forschungs- und Innovationsprojekte, etwa zu klimaneutraler Luftfahrt oder automatisierter Logistik, sowie die schrittweise Umnutzung von Arealen für emissionsarme Mobilitäts- oder Energiecluster unter Beteiligung regionaler Unternehmen und Hochschulen.
Volt Osnabrück versteht die Förderung nicht als rein kompensatorisches Substitut für den Flughafenbetrieb, sondern als integrativer Baustein einer aktiven Infrastrukturtransformation. Dies gelingt mit einem strategischen, offen angelegten Transformationsplan, der ökologische Zielsetzungen mit wirtschaftlicher Innovation und regionaler Resilienz verbindet. Der Infrastrukturfonds kann und sollte hier als Katalysator wirken für ein zukunftsgerichtetes Modellprojekt klimaverträglicher Infrastrukturpolitik.